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Peter Roth

Klangbegleitung & Kursleitung

Peter Roth ist nicht nur ein Dirigent von Chören und Orchestern, er beherrscht es auch auf allen Ebenen zu orchestrieren. Sei’s im kirchlichen oder kulturellen Umfeld oder in Zusammenhang mit Tourismus, Wirtschaft oder Architektur. Seine Leidenschaft ist ansteckend. Sein Durchhaltewillen ist unerschütterlich.

Peter Roth im Gespräch (2024)

Mirjam Hadorn
Woher kommt deine Faszination für den Klang? 

Peter Roth
Meine Faszination für den Klang hat ihren Ursprung in meiner generellen Neugierde für die Vielfalt und die universelle Bedeutung der Musik. Schon früh interessierte ich mich für das Verbindende in der Musik. In den 68er Jahren spielte ich Kontrabass in einer Free-Jazz-Gruppe. Wir tourten durch Süddeutschland und traten in Jazzkellern auf. Jazz und Blues sind für mich immer noch wichtige Inspirationsquellen. Parallel dazu gründete ich 1966 mit Köbi Knaus und Hansruedi Ammann die Toggenburger Streichmusik.  

Während der Ausbildung waren es stets die drei grossen Themen: Melodie, Harmonie und Rhythmus, die gelehrt und geprüft wurden. Aber das Phänomen Klang war während den fünf Jahren meines Musikstudiums am Konservatorium Zürich kein Thema. 

Im letzten Semester kam Karlheinz Stockhausen für ein Kompositions-Seminar. Er hat mein Verständnis von Klang revolutioniert. Mit ihm haben wir aus Sinustönen und Obertönen Klänge komponiert. Das war ein spielerischer Weg, eigene Klänge zu kreieren. Damit wurde der Klang plötzlich ein bewusster und integraler Bestandteil meiner musikalischen Wahrnehmung. So hat sich meine Faszination für Klang über verschiedene Wege entwickelt. Einerseits durch meine Verbindung zu archaischer Musik in Kombination mit moderner Technik und andererseits durch die Auseinandersetzung mit ursprünglicher Musik aus verschiedensten Kulturen und Religionen.  

Der Klang hat mich immer am tiefsten Ort berührt, und für mich ist er der ursprünglichste Parameter der Musik. Vielleicht liegt das daran, dass ich den Übergang von der reinen Wahrnehmung zur bewussten Auseinandersetzung mit dem Klang miterlebt habe. 

Mirjam Hadorn
Du hast das erste Festival in Alt St. Johann mitinitiiert. Wie kam es dazu? 

Peter Roth
Im Jahr 2002, zum 850-jährigen Jubiläum von Alt St. Johann, hat mich der damalige Gemeindepräsident Alois Ebneter gefragt, ob ich eine Idee hätte, dies musikalisch zu feiern. Die Idee war einfach und bestechend zugleich. Die sechs Chöre aus dem Dorf sollten jeweils einen Chor aus Europa einladen und gemeinsam ein Konzert gestalten. Die Chöre machten eigene Einladungen, und ich half bei den Verbindungen. Die Konzerte waren über das ganze Jahr verteilt und ein riesiger Erfolg. Daraufhin entschieden wir, dass 2004 ein grösseres Festival von Auffahrt bis Pfingsten stattfinden sollte.  

Mirjam Hadorn
Wenn das Leben eine solche Vielfalt bietet, weshalb bist du im Toggenburg geblieben? 

Peter Roth
Scharnier zum Leben im Toggenburg waren der Kirchenchor von Alt St. Johann, der Jodelclub Säntisgruess und der Wunsch, Kurse zu Naturjodel und Schellen anzubieten. In den 80iger Jahren war schon klar, dass es für die Zukunft des Toggenburgs wichtig sein würde, ein ganzjähriges Angebot zu haben.  

Auf der Suche nach einem Ort, um Kurse anzubieten, war ich in St. Gerold im Walsertal, im Kurszentrum Monte Vuala, Walenstadtberg und in der Kartause Ittingen. Schliesslich kam ich auf den Gedanken, meine Kurse im Toggenburg anzusiedeln. Begonnen habe ich im heutigen Sunnehuus, aber weil das Haus bald verkauft wurde, schaute ich mich um, bis ich 1993 das Inserat zum Verkauf des Naturfreudehauses Seegüetli am Schwendisee entdeckte. Im Oktober 1993 haben dort die ersten Naturjodelkurse begonnen. Aus dieser Erfahrung heraus erwachte in mir der Wunsch, dass es doch schön wäre ein Haus zu haben, das speziell für den KIang von Stimmen und Instrumenten gebaut wird.  Dies war der Beginn eines langen Weges zur Realisierung des Klanghauses am Schwendisee. 

Mirjam Hadorn
Wie würdest du deine musikalische Reise und Entwicklung zusammenfassen? 

Peter Roth
Meine musikalische Reise ist geprägt von Vielseitigkeit, Offenheit für verschiedene Stile und die ständige Suche nach Verbindungen. Dabei hat sich für mich der Klang als der wichtigste Parameter von Musik gezeigt. Seine Faszination begleitet mich seit meiner bewussten Erfahrung im letzten Semester meines Musikstudiums. Die Integration von alten und modernen musikalischen Elementen sowie die Verbindung mit verschiedenen Kulturen haben meine Musik bereichert und geformt. Mir scheint wichtig, dass mit dem Begriff Resonanz dann die Möglichkeiten von Klang und Rhythmus enorm erweitert werden konnten. Denn – Zitat Hartmut Rosa – wir leben immer schneller und haben immer weniger Zeit, wir erleben immer mehr und erfahren immer weniger. Der Einbezug von Resonanz und die damit verbundene Bewusstseinsöffnung gibt der Klangwelt noch einmal eine ganz andere Dimension – bis hin zum Resonanz-Tourismus. 

Mirjam Hadorn
Du bist rund um die verschiedenen Projekte, die im Zusammenhang mit dem Bau des Klanghauses Fahrt aufgenommen haben, aktiv involviert und sprühst vor Energie und Ideenreichtum . Wie ist es für dich, das Klanghaus nun entstehen zu sehen? 

Peter Roth
In diesem Frühjahr gab es Momente, wo ich beim Beginn des Rohbaus dreimal am Tag zum Schwendisee kam, um mich zu vergewissern, dass der Bau des Klanghauses wirklich startet. Am Tag als der Kran und die ersten Lastwagen kamen, spürte ich in mir eine grosse Irritation – ist das nun noch Traum oder schon Wirklichkeit? Plötzlich materialisierte sich so Vieles, was bis dahin nur in Gedanken und auf Papier existierte. Ich möchte den Prozess mit einer Geburt vergleichen – das Wesen einer Idee gewinnt nun die Gestalt des Holzbaus. 

Für den Architekten müssen die Pläne wie eine Partitur sein. Ich stelle mir vor, dass Marcel Meili in Gedanken durch die dreidimensionale Form des Klanghauses gehen konnte, um sie dann auf der zweidimensionalen Ebene des Planes darzustellen. 

Mirjam Hadorn
Die Klangwelt Toggenburg spiegelt auch deine persönliche Entwicklung wider. Was war dir besonders wichtig in diesem Prozess? 

Peter Roth
Mir war immer wichtig, Teil des Veränderungsprozesses zu sein, ohne dabei die Wurzeln zu verlieren. Heute kann ich langsam loslassen, weil ich Vertrauen in die Zukunft der Klangwelt und ihre Weiterentwicklung habe. Ich vergleiche mich nun gerne mit dem alten Bauern, der vor der Scheune sitzt und zusieht, wie die Jungen die Ernte einfahren.  

Mirjam Hadorn
Peter, die Klangwelt Toggenburg ist mittlerweile zu einer internationalen Institution herangewachsen. Wie erlebst du diese Entwicklung? 

Peter Roth
Die Klangwelt hat eine beeindruckende Reise hinter sich. Von einem kleinen Verein mit Kursangeboten hat sie sich zu einer internationalen Institution entwickelt. Die Grundidee war und ist, dass Klang alle Menschen weltweit verbindet. Das Naturstimmenfestival hatte bereits 2004, durch die Einladung von Gruppen aus verschiedenen Ländern, ganz bewusst eine internationale Ausrichtung. Die Herausforderung besteht darin, die Balance zwischen der globalen Ausrichtung und der tiefen Verwurzelung im Toggenburg zu halten. Das Wechselspiel zwischen Heimat und Neuland ist auch für die künftige Ausrichtung der Klangwelt zentral wichtig. 

Mirjam Hadorn
Du hast massgeblich zur Gründung der Klangwelt beigetragen. Wie fühlst du dich angesichts der Veränderungen? 

Peter Roth
Anfangs war es ein kleiner Verein. Jetzt ist es eine Institution mit einem breiten Angebot und internationaler Ausstrahlung. Durch die organische Entwicklung sind Schritt für Schritt immer mehr Menschen, ist immer mehr Wissen hinzugekommen. Deshalb musste die Organisation ständig wachsen. Die treibende Kraft ist und war die Faszination der Menschen für Erfahrungen und Entdeckungen mit Klang und Rhythmus. Nun hat es die Klangwelt geschafft, mit einzigartigen Klangerlebnissen eine eindrückliche Dynamik und begeisternde Resonanz zu entwickeln. Dafür bin ich dankbar - und auch etwas stolz. 

Mirjam Hadorn
Du bist nicht nur ein Musiker, sondern auch ein Visionär, der verschiedene Projekte orchestriert hat. Woher schöpfst du deine Kraft und Konzentration?  

Peter Roth
Meine Energie kommt aus der tiefen Verbindung zum Klang. Musik, Naturklänge und die spirituelle Dimension des Klangs haben mich schon immer berührt. Klang ist für mich der ursprünglichste und universellste Parameter der Musik. Darum schöpfe ich Kraft aus der Vielfalt der Projekte, der Gemeinschaft und der tiefen Erfahrung, die der Klang uns schenkt. Und natürlich aus der Dankbarkeit für all diese wunderbaren Erfahrungen. 

Mirjam Hadorn
Du hast viele Jahre im Musikbereich verbracht, von Jazz und Naturjodel bis zur Erforschung von Naturklängen. Was bedeutet der Klang für dich persönlich? 

Peter Roth
Klang ist für mich nicht linear, sondern zyklisch - genauso wie alles Leben. Er verbindet alles, was mich bewegt. Besonders in Kombination mit dem Konzept von Resonanz ist der Klang zu einer Lebensphilosophie geworden. Drei Bücher waren und sind mir besonders wichtig: "Nada Brahma» von Joachim Ernst Berendt, Erich Fromms "Haben oder Sein" und Hartmut Rosas "Resonanz". 

Mirjam Hadorn
Wie siehst du die Zukunft der Klangwelt Toggenburg? 

Peter Roth
Die Klangwelt Toggenburg wird weiterhin eine Brücke zwischen Tradition und Innovation schlagen. In einer Zeit, in der sich der Mensch aus purer Notwendigkeit wieder mehr mit der Natur verbinden muss, wird die Klangwelt dabei eine entscheidende Rolle spielen. Resonanz, Klang, Rhythmus und die bewusste Erfahrung, Teil der Natur zu sein, sind Schlüsselbegriffe für die Zukunft. 

Mirjam Hadorn
Zum Abschluss noch etwas zum Schmunzeln. Kannst uns einen deiner Lieblingswitze verraten? 

Peter Roth
Natürlich. Ein berühmter Cellist spielte immer sparsamer und im Alter den ganzen Tag nur einen einzigen Ton. Seine Frau beschwerte sich und sagte nach einem Konzert: »Jetzt habe ich wieder einmal einen virtuosen Cellisten und all die vielen Töne gehört»! Der Cellist antwortete trocken: «Ach, der hat seinen Ton gesucht. Ich aber habe ihn gefunden.»  

Mit Herzblut hat Peter Roth seine Visionen mit vielen Wegbegleitern geteilt. Alle, die dazu gekommen sind, haben geholfen, Vision, um Vision umzusetzen. Es brauchte Menschen mit Know-How, Geld und ebenso eigenem Herzblut. So ist Peter Roth eben nicht nur Visionär, Komponist und Dirigent, sondern ein leidenschaftlicher Netzwerker. Ganz besonders bedanken möchte er sich darum bei den folgenden Personen, die sich mit ihm zusammen für die Klangwelt und ganz besonders für das Klanghaus eingesetzt haben:  
 
Gemeindepräsident Alois Ebneter und seine Frau Bernadette: erster KWT-Präsident und erste Geschäftsstellenleiterin. 

Regierungsrätin Kathrin Hilber: erste SR-Präsidentin, die 12 Jahre das Projekt als Regierungsrätin politisch initiiert und vorangetrieben hat. 

Katrin Meier, die während 17 Jahren, erst als externe Projektbegleiterin, und dann als Leiterin des AfKu, das Projekt unterstützt und inspiriert hat. 

Max Nadig, der heutige Präsident von TT, der wegen dem Klangwelt-Projekt 2002 ins Toggenburg kam und seither drangeblieben ist! 

Roland Stump, der von der ersten Stunde weg (1993 mit den ersten Seegüetlikursen) das kulturelle und touristische Potential erkannt und gefördert hat. 

Hansruedi und Anna Amman, die vom Kauf 1993 bis zum Verkauf an den Kanton (vor ca. 10 Jahren) treu das ‘Seegüetli-Abenteuer’ mit mir durchgezogen haben! 

Annelies Huser-Ammann und Hans Jakob Scherrer, die mit ihm die ersten Naturjodelkurse im Seegüetli geleitet haben. 

Hugo Kamm, der Vater von Barbara, der als Freund aus Lehrerseminarzeiten wegen der Streichmusik ins Toggenburg gekommen ist.  

Mathias Müller, der vor ca.10 Jahren als SR-Präsident eingestiegen ist, weil er (Zitat): «Sowieso einen Verein positiv denkender ToggenburgerInnen gründen wollte!» 

Peter Zumthor habe ich im Juli 2002 besucht. Er hatte zwei Fragen: «Wie still ist es dort?» und «Wie wollen sie das Klanghaus bezahlen?» Beim zweiten Besuch, als ich ihm meine Vorstellung des Klanghauses erläuterte, sagte er: «Ich glaube Sie meinen ein begehbares Instrument».  

Architekt Marcel Meili gewann die Thesenkonkurrenz (so hiess die Wettbewerbsform, die Kantonsbaumeister Werner Binotto damals gewählt hatte). Dabei hat Marcel mit seinem Projekt die Vorstellung des begehbaren Instrumentes adäquat umgesetzt. Mit ihm verband mich dann eine 10-jährige, persönliche Freundschaft bis zu seinem, leider zu frühen, Tod! 

Astrid Staufer hat das Klanghausprojekt im Büro Meili/Peter geführt und dann, einige Jahre vor Marcels Tod ein eigenes Architekturbüro, Staufer/Hasler in Frauenfeld, gegründet. Darum baut sie jetzt «für und mit Marcel Meili» (so steht es auf der grossen Tafel, die das BD am Infopoint aufgestellt hat). Diese Formulierung auf der Tafel finde ich würdigend schön und stark! 

Peter Roth ist es wichtig zu betonen, dass diese Liste keinesfalls abschliessend ist und «locker um 40-50 weitere Personen ergänzt werden könnte» Seine Dankbarkeit ist damit an alle Beteiligten gerichtet, die sich bis heute für die Idee des Klanghauses einsetzen! 

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