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Zoe Waldvogel, Fachfrau Betreuung Fachrichtung Kind in Ausbildung

Eine Interview-Reihe zum Thema: Warum ich jodle

Zoé Waldvogel, 23, jodelt seit ihrer Kindheit. Was als Spiel begann, ist heute Teil ihrer Persönlichkeit – und zeigt, wie lebendig diese Tradition ist.

Steckbrief:

Alter: 23 Jahre
Beruf: Fachfrau Betreuung Fachrichtung Kind in Ausbildung
Engagement: Heimatchörli Ennenda, Jugendchor Jutz.ch
Social Media: @zoewaldvogel

‹Ich jodle eigentlich, seit ich denken kann.›

Wenn Zoé über ihre Anfänge spricht, muss sie selbst schmunzeln. Das Jodeln sei ihr ‹fast in die Wiege gelegt worden. Ihr Grosi und ihr Mami haben beide gejodelt – und sie war mittendrin. Mit gerade mal vier Jahren trat sie ins Chinderjodelchörli Glarnerland ein. Seither hat sie nie mehr aufgehört.

Was sie damals genau gepackt hat, kann sie heute gar nicht mehr so genau sagen. ‹Ich glaube, es war einfach das Miteinander. Zusammen singen, zusammen lachen – das hat mir Freude gemacht.› Und diese Freude ist geblieben.

Der Moment der Entscheidung

Mit 15 stand ein Wechsel an. Die Lehre begann, der Alltag wurde strenger getaktet – und die Proben im Chinderjodelchörli liessen sich immer schwieriger einbauen. Aufhören? Das kam für Zoé nicht infrage.

‹Mir war klar: Ich will das Jodeln nicht aufgeben. Es gehört zu mir und deshalb bin ich ins Heimatchörli Ennenda eingetreten und war 8 Jahre aktiv dabei.›

Als sie 2024 den Jugendchor Jutz.ch kennenlernte, war der Entscheid schnell gefällt. So viele junge, motivierte Menschen, die mit Herzblut singen – da wollte sie dabei sein und amtet seit diesem Jahr also Co-Präsidentin. ‹Das hat einfach alles gepasst.›

‹Das hat einfach alles gepasst.›

Mehr als ein Hobby

Heute ist das Jodeln ihr grösstes Hobby – und noch viel mehr als das. Es hat ihr unzählige Erlebnisse geschenkt, sie geprägt und musikalisch weitergebracht.

Eine wichtige Rolle spielte das Jodellager in Engelberg. Dort traf sie auf viele Gleichaltrige, die dieselbe Begeisterung teilen. ‹Das war richtig cool. Plötzlich war ich nicht mehr allein mit meinem Hobby.› Aus diesen Begegnungen sind Freundschaften entstanden, die bis heute tragen. Mit einigen dieser Menschen singt sie inzwischen auch in kleineren Formationen.

‹Das Jodeln ist ein Teil meiner Persönlichkeit geworden›, sagt sie. Nicht nur musikalisch – auch menschlich. Das Gesellige, die gemeinsamen Erlebnisse, die Auftritte und Feste: All das gehört für sie genauso dazu wie der Klang selbst.

Verein als zweite Familie

Ein Jodelklub ist für Zoé mehr als eine musikalische Gemeinschaft. ‹Es ist wie eine Familie.› Man sieht sich an den Proben, trinkt danach vielleicht noch etwas zusammen, erlebt Auftritte, reist ans Jodelfest – man teilt Erinnerungen.

Gerade für junge Menschen sei das etwas Besonderes. Dieses Vereinsleben, das Zusammenstehen und Miteinander-Unterwegssein, mache den Reiz aus. ‹Es macht einfach Spass, Teil davon zu sein.›

Zwischen Stolz und Vorurteilen

Ganz ohne Herausforderungen geht es allerdings nicht. Jodeln ist noch immer mit Vorurteilen behaftet – besonders unter Jugendlichen. ‹In jungen Jahren war das manchmal schwierig. Man fühlt sich mit so einem Hobby schnell allein.›

Trotzdem hat sie nie versteckt, wofür ihr Herz schlägt. Im Gegenteil: Sie hat es mit Stolz getragen. Und spätestens im Jugendjodellager merkte sie, dass es viele andere gibt, die gleich fühlen.

Auch organisatorisch fordert das Jodeln Einsatz. Zoé arbeitet im Schichtbetrieb, oft auch am Wochenende. Proben und Auftritte brauchen Planung – manchmal ziemlich viel. Für ihre Zweitlehre ist sie zudem von zuhause weggezogen und musste schweren Herzens aus dem Heimatchörli austreten. ‹Die Distanz ist einfach zu gross.›

Ein Entscheid, der nicht leichtfiel – aber das Jodeln bleibt trotzdem ein fixer Bestandteil ihres Lebens.

Blick nach vorne

Zoé ist überzeugt, dass sich bereits viel bewegt. Jugendjodellager, neue Jugendjodelchöre, stärkere Vernetzung in der ganzen Schweiz – da sei einiges in Gang. Auch die Arbeit des EJV und der Unterverbände nehme sie positiv wahr.

Und dass das Jodeln als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt ist, mache es sichtbarer. ‹Das hilft. Es zeigt, dass es wertvoll ist.›

‹Probiert es einfach aus. Jodeln ist für alle da.›

Zoe Waldvogel