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Mauritius Koller, Jodler und Milchtechnologe aus Gais

Eine Interview-Reihe zum Thema: Warum ich jodle

Er zeigt, wie stark Naturjodel mit Herkunft, Gemeinschaft und Identität verbunden sein kann. Zwischen Stall, Klang und Vereinsleben hat er seinen eigenen Weg gefunden – bodenständig, überzeugt und mit klarer Haltung.

Steckbrief:

Alter: 27 Jahre
Beruf: Milchtechnologe
Engagement: Jodelchörli Gais www.jodelchoerli-gais.ch
Social Media: @mauritiuskoller

Seit wann jodelst du?

Als kleiner Junge, etwa zwischen acht und zehn Jahren, habe ich zuhause lautstark die CD des Männerchors «Alpstee» Brülisau gehört. Dabei habe ich im Stillen versucht, bei den Rugguseli-Gesängen mitzuhalten. Schon seit ich laufen kann, durfte ich zudem meinem Onkel helfen, mit den Kühen an die Viehschau zu fahren. Durch das hohe Ansehen der Sennen war meine Begeisterung für den Naturjodel früh geweckt. Diese konnte ich damals allerdings kaum mit Gleichaltrigen teilen. Wirklich aktiv jodle ich seit meinem 15. Lebensjahr.

Wie bist du zum Jodeln gekommen ?

Der entscheidende Moment kam, als mich mit etwa 15 Jahren ein Kollege fragte, ob ich mit seinem Schuppel Silvesterchlausen mitgehen wolle. Ich fragte meinen Vater, ob ich als Innerrhoder diese Ausserrhoder Tradition mitpflegen dürfe. Seine Antwort war: «Mosch sölb wesse.» Danach zögerte ich keinen Moment. So konnte ich mit meinen Freunden das Zaure und Jodeln bei Bruno Inauen vertiefen und richtig lernen.

«Mosch sölb wesse.» sagte mein Vater – danach zögerte ich keinen Moment.

Gab es einen Moment, in dem du dich bewusst entschieden hast, in einem Jodelclub mitzusingen – und warum?

Ja. Nach meiner Rekrutenschule im Jahr 2018 fragte mich mein Onkel, ob ich mit ein paar Kollegen im Männerchor mitsingen möchte, da es kaum noch junge Mitglieder gab. Grundsätzlich fand ich die Idee gut, da sie für meine gesangliche Entwicklung viele Vorteile hatte. Da ich aber eher der traditionelle Typ bin, stellten wir die Bedingung, dass es für uns eher ein Jodelchörli sein sollte. So entstand aus dem Männerchor Frohsinn Gais das Jodelchörli Gais, was dem Verein neue Perspektiven eröffnete.

Was gibt dir das Jodeln – musikalisch, sozial, persönlich?

Der Naturjodel kann sich für mich auf ganz unterschiedliche Arten zeigen. Manche Jodel sind sehr emotional und gehen in die Tiefe, andere wirken aufgestellt und verbreiten gute Laune. Schön ist, dass dabei auch ein starkes soziales Umfeld entsteht. Wenn jemand beginnt, können alle mithelfen und sich gegenseitig unterstützen. Das gibt mir ein gesundes Gefühl von Gemeinschaft und Zusammenhalt. Jodeln vermittelt mir eine tiefe Heimatverbundenheit, wirkt befreiend und erinnert mich daran, woher ich komme und wo ich mich wohlfühle.

Was macht einen Jodelclub attraktiv – besonders für junge Menschen?

Für mich ist das Vereinsleben fast genauso wichtig wie der musikalische Erfolg. Manchmal ist weniger mehr, auch wenn ich von allen einen gewissen Einsatz und Ehrgeiz erwarte. Wichtig ist, dass ein Jodelclub flexibel aufgestellt ist und nicht von einzelnen Personen abhängt. Zudem sollte das Hobby mit Gleichaltrigen geteilt werden können. Ein eher junger Jodelclub hat aus meiner Sicht bessere Chancen, weitere junge Menschen zu begeistern.

Was macht das Dabeibleiben im Alltag schwierig?

In einem Jodelchor mitzusingen bedeutet für mich auch eine gewisse Verpflichtung, möglichst keine Probe zu verpassen. Wer unregelmässig kommt, erreicht weder persönlich noch als Gemeinschaft das gewünschte Niveau. Im Alltag sehe ich die grösste Herausforderung in der fehlenden Flexibilität vieler junger Menschen. Sie haben mehrere Hobbys, wodurch kurzfristige Auftritte, zusätzliche Proben oder Kurse schwieriger zu organisieren sind.

Was müsste sich aus deiner Sicht verändern, damit mehr junge Menschen bleiben oder neu einsteigen?

Es geht weniger um Veränderung als um die Frage der Begeisterung. Diese hängt stark davon ab, wie sehr junge Menschen heute bereit sind, Traditionen mitzugestalten und wie sie damit aufwachsen. Früher war es fast selbstverständlich, mit etwa 20 Jahren in einen Jodelclub einzutreten und das Vereinsleben aktiv mitzutragen. Heute möchten junge Menschen freier sein und in ihrer Freizeit weniger Verpflichtungen eingehen.

Was würdest du jemandem sagen, der oder die zögert?

Mach so früh wie möglich mit, denn später lernt man es nicht besser. Mach es immer mit Freude. Bring Mut mit und sei beim Jodeln von dir überzeugt. Sing in deinem eigenen Stil – du bist einzigartig und musst niemanden kopieren.

Herzlichen Dank lieber Mauritius!