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Lena Brändle, Jodlerin und Dirigentin aus Wildhaus

Eine Interview-Reihe zum Thema: Warum ich jodle

Im Gespräch mit Mirjam Hadorn erzählt Lena Brändle von ihrem Weg zum Jodeln, von ihren ersten Begegnungen mit dieser besonderen Gesangstradition und davon, was sie bis heute daran begeistert.
Im Video erlebst du das Interview direkt im Klanghaus – und kannst Lena Brändle auch jodeln hören.

Steckbrief:

Alter: 20 Jahre
Beruf: Ausbildung an der PH Rorschach zur Primarlehrerin
Engagement: Jodelklub an der pädagogischen Hochschule in Rorschach, Dirigentin beim «Büeler Gofechörli»

Seit wann jodelst du?

Ich jodle seit rund einem Jahr «richtig». Davor war das Jodeln schon da, aber eher nebenbei: mit meiner kleinen Schwester auf der Alp oder in Jodellagern als Kind. Das bewusste und vertiefte Jodeln hat erst später begonnen. 

Wie bist du zum Jodeln gekommen – und was hat dich damals angesprochen?

Eigentlich über mein Umfeld. Musik hat mich schon immer begleitet. Meine Grossmutter hat Handorgel gespielt, und wir haben viel gemeinsam musiziert. Zuhause habe ich verschiedene Instrumente ausprobiert, später in der Kantonsschule lag mein Schwerpunkt auf dem Klavier und auf klassischer Musik. Die Volksmusik ist in dieser Zeit etwas in den Hintergrund geraten.

Meine Freundesgruppe ist sehr musikalisch. Irgendwann haben wir gemerkt, dass wir als Band gut zusammenpassen, und haben eine irische Formation gegründet. So habe ich auch die Handorgel wieder neu lieben gelernt. Wir treten heute noch gemeinsam auf. Ab und zu spielen wir auch Schweizer Volksmusik – und so bin ich wieder zum Jodeln zurückgekommen.

Es ist ein grosses Geschenk, Menschen zu finden, die diese Begeisterung teilen und Volksmusik im Herzen tragen. Jodeln ist für mich Heimat. Es hat mich schon immer auf eine besondere Art berührt. Naturjodel berühren mich ganz besonders – «es tschuddered mich immer wieder vor Freude».

«Es tschuddered mich immer wieder vor Freude».

Lena Brändle, Junge Jodlerin & Dirigentin beim «Büeler Gofechörli» in Nesslau

Gab es einen Moment, in dem du dich bewusst entschieden hast, in einem Jodelkontext aktiv zu werden?

Ja, vor etwa einem Jahr. Es hat sich die Möglichkeit ergeben, das «Büeler Gofechörli» zu übernehmen. Diese Tür hat sich geöffnet, und durch diese Chance habe ich wieder richtig Freude am Jodeln gefunden.

An der Pädagogischen Hochschule Rorschach kann ich nun sogar ein eigenes Projekt umsetzen und zusätzlich Jodelstunden nehmen. Die PH unterstützt diese musikalische und jodlerische Vertiefung aktiv, was ich sehr schätze. Ich lerne in jeder Stunde Neues dazu und habe unglaublich Freude daran. Mich faszinieren die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen verschiedenen Musikstilen – ich kann davon ganz stark profitieren und lerne jedes Mal dazu. Beim Gesang gilt für mich: Dein Körper ist dein Instrument. Die Stimme ist etwas extrem Persönliches und Einzigartiges. An der Stimme und an der Stimmbildung zu arbeiten, ist ein endloser Prozess – und genau das begeistert mich. Das möchte ich noch sehr lange machen.

Was gibt dir das Jodeln – musikalisch, sozial, persönlich?

Mich begeistert besonders das Vermitteln des Jodelns. Sobald ich im Chörli bin und die Kinder mich anstrahlen, tanke ich unglaublich viel Kraft. Natürlich kostet diese Aufgabe auch Energie, aber ich mache sie sehr gerne. Ich begleite die Kinder mit Freude und bin dankbar, dass ich meine Begeisterung und mein Wissen weitergeben darf. Musik verbindet immer.

Bei Auftritten spüre ich zudem die Begeisterung des Publikums sehr stark. Das macht Freude und erfüllt mich auch mit Stolz. Und wenn man den Texten wirklich zuhört, merkt man wieder, was wir hier haben, wie schön Heimat ist – das erdet.

Was macht einen Jodelclub attraktiv – besonders für junge Menschen?

Ganz klar die Gemeinschaft. In meinem Umfeld erlebe ich viele junge Menschen, die begeistert sind. Es ist mega schön, junge Leute jodeln zu sehen – das zieht wieder andere an, die neugierig werden und es auch ausprobieren möchten.

Sehr wertvoll ist es auch, wenn man das Jodeln als Familie leben und an Kinder weitergeben kann. In der Schule wird ebenfalls immer öfter gejodelt. In meinem Praktikum in Oberschan haben wir das Jodeln thematisiert, auch im Zusammenhang mit dem immateriellen Kulturerbe. Wir haben dann einfach einmal gemeinsam gejodelt – die Kinder und auch die Lehrerin waren sehr begeistert.

Was ist schwierig am Dabeibleiben – im Alltag oder persönlich?

Alles Musikalische in meinem Leben fällt mir momentan leicht und beschwingt mich. Seit ich mein Umfeld gefunden habe, ergeben sich immer wieder neue Chancen. Es läuft sehr viel, und es ist schön, Kolleginnen und Kollegen zu haben, die ebenfalls begeistert sind und mit denen man gemeinsam Musik machen kann.

Was müsste sich verändern, damit mehr junge Menschen beim Jodeln bleiben oder neu einsteigen?

Spannend wird sicher die Zeit nach der Pädagogischen Hochschule. Dann wird sich zeigen, wie es weitergeht. Manchmal ist man geografisch verteilt, und Treffen werden schwieriger. Bis jetzt geht es aber immer irgendwie auf. Einige kommen neu dazu, andere sind zwischendurch dabei.

Volksmusik ist auch deshalb so genial, weil der Zugang einfach ist. Wenn man sie einmal kennengelernt hat – egal ob Schweizer oder irische Volksmusik – kann jederzeit jemand dazukommen oder auch einmal fehlen. Diese Flexibilität macht viel aus.

Was würdest du jemandem sagen, der oder die zögert?

«Rufen können alle, das kommt aus der Bruststimme – probier es einfach aus.» Ich würde etwas vorjodeln, vielleicht ein Zäuerli, um zu zeigen, worum es geht.

Herzlichen Dank liebe Lena!